Operationen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa)

Die Häufigkeit der sogenannten Chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) nimmt in der westlichen Welt zu.

Zur Zeit wird die Prävalenz (also die Häufigkeit pro 100.000 Einwohner) in Deutschland für den Morbus Crohn mit ca. 150 : 100.000, für die C. ulcerosa mit 80 : 100.000 angegeben.

Die medikamentöse Einstellung und Verlaufskontrolle wird ganz überwiegend in spezialisierten gastroenterologischen Praxen durchgeführt. Häufig wird jedoch auch ein abgestimmtes Vorgehen zwischen Viszeralchirurg und Internist erforderlich. Gefürchtete Komplikationen, welche dem Chirurgen vorgestellt werden sollten, sind beim Morbus Crohn die Ausbildung von Abszessen, Fisteln und entzündlichen Verengungen des Dünndarms. Außerdem sorgen häufig wiederkehrende Analfisteln für wiederholte Besuche beim koloproktologisch spezialisierten Chirurgen. Im Gegensatz zur Colitis ulcerosa, welche praktisch ausschließlich den Dickdarm (Kolon) betrifft, kann der Morbus Crohn den gesamten Verdauungstrakt befallen.

Die Colitis ulcerosa kann akut mit der Ausbildung eines sogenannten toxischen Megakolons (massive Aufweitung des Dickdarms mit Folge der Darmperforation und Peritonitis) aber auch schleichend durch fortschreitende Zerstörung des Kolons eine Operation erforderlich machen. Darüber hinaus ist sie mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von bösartigen Dickdarmtumoren verbunden. Darum werden ab dem 8. Erkrankungsjahr jährliche Kontrollkoloskopien mit Stufenbiopsien empfohlen. Bei Nachweis einer oder mehrerer Krebsvorstufen oder bereits vorhandener Karzinome in der Vorsorge ist in der Regel die vollständige Entfernung des Dick- und Mastdarms (Proktokolektomie) erforderlich. In geeigneten Fällen wird diese Operation unter Erhaltung des Schließmuskelapparates minimalinvasiv durchgeführt. Der Eingriff wird v. a. bei jungen Patienten verbunden mit der Herstellung eines Ersatzreservoirs am Anus aus einer Dünndarm-„Tasche“ (Ileumpouch).

Die Nachbehandlung erfolgt dann wiederum gemeinsam durch Gastroenterologen und Viszeralchirurgen.