Koloproktologie

Analfisteln und -abzesse

Entzündungen der sog. Proktodealdrüsen können zu chronischen Abszessen innerhalb des Schließmuskels führen. Diese haben häufig die Ausbildung verzweigter Fistelsysteme zum Mastdarm, Analkanal oder/und der perianalen Haut zur Folge. Solche chronischen Fisteln können Hinweis sein auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED) wie z. B. Morbus Crohn. Eine Ileokoloskopie ist daher bei Erstdiagnose obligat. Analabszesse oder ihre chronische Verlaufsform, Analfisteln können auch ohne zugrundeliegende CED auftreten. Ihre Behandlung gestaltet sich nicht selten langwierig und ist je nach Verfahren mit einer Rückfallrate von bis zu 35% und Inkontinenzraten zwischen 0 und 45 % behaftet. Nach Primärbehandlung (Abszess-Entlastung steht in der Regel die Narkoseuntersuchung an, ggf. ergänzt durch bildgebende Verfahren (Endosonografie, MRT). Bei Nachweis eines Fistelgangs wird die weitere Therapie festgelegt. Oberflächlich verlaufende Fisteln können mit sehr geringem funktionellem Risiko und guten Heilungschancen gespalten werden. Bei höheren Fistelverläufen ist meist eine schrittweise Behandlung mit Fadendrainage und späterer operativer Sanierung indiziert. Der Schließmuskel muss dann rekonstruiert und die innere Fistelöffnung durch eine anoplastische Operation (Vollwandlappen) gedeckt werden. Diese komplexen Eingriffe werden meist in der Klinik unter stationären Bedingungen durchgeführt.

Hämorrhoidenoperationen

Obwohl eine Volkskrankheit wird das chronische Hämorrhoidalleiden auch heute noch häufig tabuisiert. Die Beschwerden umfassen unspezfische Symptome wie Juckreiz und Nässen bis hin zu starken Schmerzen, Schwellung und Blutungen. Vielfach kommt es erst spät zu einer Untersuchung durch einen Facharzt, wodurch manche Krankheitsstadien bei Diagnosestellung schon weit fortgeschritten sind. In frühen Stadien kommen konservative Maßnahmen wie Stuhlregulation, Ernährungsumstellung und Hämorrhoidenverödung (Slerosierung nach Blond/Blanchard) zur Anwendung. Dagegen besteht bei Stadien 3 und 4 in der Regel nur noch die Möglichkeit einer operativen Behandlung. Je nach Stadium und Ausprägung kommen konventionelle und Staplerverfahren zur Anwendung. Bei der Verfahrenswahl werden auch das Alter des Patiententen und etwaige begleitende Funktionsstörungen wie Inkontinenz und obstruktive Entleerungsstörung berücksichtigt. Die Operationen werden entweder ambulant oder stationär durchgeführt.

Bösartige Tumoren

Analkarzinome und tief sitzende Mastdarmkarzinome werden häufig bei einer proktologischen Routineuntersuchung erstmals diagnostiziert. Die Diagnosestellung erfolgt durch Entnahme einer Gewebeprobe. In Zusammenarbeit mit onkologischen und strahlentherapeutischen Fachpraxen in Kassel und Göttingen werden die Voruntersuchungen, das sogenannte Tumorstaging, veranlasst. Die optimale onkologisch-chirurgische Behandlung wird durch die Praxis von Dr. Schupfner in Abstimmung mit dem Göttinger-Tumorboard individuell zusammengestellt. Dadurch werden alle erforderlichen Therapieschritte ohne unnötigen Zeitverzug, leitlinienkonform und nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zentral koordiniert. Im Falle der  Notwendigkeit einer operativen Therapie stehen Herrn Dr. Schupfner und seinen Patienten im Ev. Krankenhaus Göttingen-Weende modernste minimalinvasive Verfahren inklusive laparoskopischer OP-Technik (integrierter OP-Saal Storz OR 1), transanale Mikrochirurgie (TEO) und demnächst robotergestützte Operationen (Senhence-Surgical Systems – Fa. Asensus Surgical) zur Verfügung.

Eingriffe zur Behandlung der Stuhlinkontinenz

Die mangelnde Kontrolle über die Ausscheidungsfunktionen ist ein häufig verschwiegenes, jedoch stark beeinträchtigendes Problem vor allem des höheren Lebensalters. In Folge von Schließmuskelverletzungen aber auch nach degenerativen oder entzündlichen Rückenmarkserkrankungen sowie nach Bestrahlung des Beckens können Störungen der Kontinenzfunktion auftreten. Je nach Ursache der Störung wird ein individuell zugeschnittenes Behandlungskonzept entwickelt, bestehend aus konservativen Maßnahmen wie Beckenbodentraining, ggf. verstärkt durch elektromyografisch gesteuertes Biofeedbacktraining, medikamentösen und diätetischen Maßnahmen zur Stuhlregulation und Operationen wie rekonstruktive Eingriffe am Schließmuskelapparat bis hin zur Implantation eines Schrittmachers zur kontinuierlichen sakralen Neurostimulation (SNS).

Eingriffe zur Behandlung der obstruktiven Entleerungsstörung

Vor allem in der zweiten Lebenshälfte finden sich insbesondere bei der weiblichen Bevölkerung zunehmend Fälle von Stuhlentleerungsstörungen. Die Symptomatik steht häufig in Zusammenhang mit Problemen bei Beckenbodenschwäche nach vorausgegangener Gebärmutterentfernung. Ursache für die erschwerte und unvollständige Entleerung kann eine sogenannte Rektozele, ein beginnender oder manifester Prolaps des Mastdarms oder eine verminderte Dickdarmperistaltik sein. Häufig finden sich auch Kombinationen aus den genannten Faktoren. Die sorgfältige Diagnostik des Krankheitsbild umfasst Endoskopie, gynäkologische Untersuchung und MRT-Bildgebung. Letztere kann in Form der MR-Defäkografie genauen Aufschluss über die dynamischen Vernderungen des Mastdarmes und der Beckenbodenmuskulatur bei der Stuhlentleerung geben und ist die unabdingbare Voraussetzung für jede operative Behandlung. Diese ist indiziert, wenn konservative Maßnahmen wie Stuhlregulierung und Einnahme von sog. Prokinetika nicht den gewünschten Erfolg bringen. Sie reichen von Resektion der Rektozele mittels Staplertechniken bis hin zur laparoskopischen Teilentfernung des oberen Mastdarms und Sigmas mit Fixation des Mastdarmes im Beckeneingang (Resektionsrektopexie). Voraussetzung für eine erfolgreiche operative Therapie ist jedoch eine intakte Schließmuskelfunktion und Kontinenz.