Häufig gestellt Fragen

Können während der Corona-Krise Adipositas Operationen und Kurse stattfinden?

Wie alle anderen planbare Operationen mussten viele Kliniken in ganz Deutschland, die an der Primärversorgung von Coronapatienten beteiligt waren, seit März 2020 auch Adipositaseingriffe absetzen oder bis auf Weiteres verschieben. Die Impfung gegen das SARS CoV2-Virus von großen Teilen der Bevölkerung in Deutschland sowie andere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus haben inzwischen zu einer Verlangsamung der Ausbreitung und einer Beendigung des Krisenzusandes in den Krankenhäusern geführt. Die neuen Mutationen der aktuell domnierenden Omikron-Variante scheinen zudem weniger häufig zu schweren Erkrankungen mit Lungenbeteiligung und Beatmunspflichtigkeit zu führen und die Zahl an Neuinfektionen ist zurückgegangen. Wir haben im Ev. Krankenhaus Göttingen-Weende daher begonnen, den Regelbetrieb wieder aufzunehmen, verschobene Eingriffe durchzuführen und neue zu planen. Die multimodalen Kurse werden seit Jahresbeginn 2022 in Kassel und Göttingen wieder angeboten. Teilweise werden neue, größere Räumlichkeiten genutzt, um ausreichenden Abstand zwischen den Kursteilnehmern sowie Hygienestandards sicherzustellen. Zudem wird die Luft in den Räumlichkeiten des Adipositaszentrums Kassel jetzt durch hochmoderne Filteranlagen gereinigt, Als Adipositaspatient gehören Sie zu einer wichtigen Risikogruppe, und Ihr Schutz hat für uns oberste Priorität. Ihre Schwerpunktpraxis steht diesbezüglich in Verbindung mit den örtlichen Gesundheitsämtern.

Übernehmen die Krankenkassen alle Kosten?

In der Bundesrepublik Deutschland ist die metabolische Chirurgie, obwohl sie eine Behandlung mit zweifelsfrei nachgewiesener hoher Wirksamkeit ist, nicht im Regelleistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten. Jede Operation kann jedoch bei den Krankenkassen einzeln beantragt werden. Voraussetzung für eine Übernahme der Behandlungskosten ist ein BMI > 40 bzw. > 35 + Nebenerkrankungen (wie Bluthochdruck, Diabetes, etc.) sowie Nachweise über die Ausschöpfung konservativer Therapiemaßnahmen (über mind. 6 Monate), einschließlich 2 Wochen oder länger protokollierter Diätversuch, regelmäßiges Bewegungstraining unter fachlicher Anleitung. Hormonelle Ursachen (z. B. unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion, Morbus Cushing) und akute psychische Krankheiten müssen ausgeschlossen werden.
Beste Aussichten auf erfolgreiche Antragstellung hat die Anmeldung durch ein Zentrum mit Zugang zu einem Programm der multimodalen Adipositastherapie. Das Team des Adipositas Zentrums unterstützt Sie bei der Antragstellung.

Die Kosten für die vorbereitenden Kurse und Beratungen sind vom Patienten selbst zu tragen, werden jedoch i. d. R. von den Krankenkassen bezuschusst. Über die Höhe der Aufwendungen werden Sie im Rahmen des Erstgesprächs informiert.

Welche Risiken gibt es?

In zertifizierten Adipositaszentren wie dem unseren ist ein bariatrischer Eingriff mit einem sehr geringen Risiko einer schweren oder tödlichen Komplikation verbunden. Es entspricht etwa dem Risiko einer minimalinvasiven Gallenblasenoperation. Natürlich gibt es dennoch Risiken. Im Vordergrund stehen Nachblutungen und Undichtigkeiten der Klammernahtverbindungen. Auch Todesfälle sind in unter 0,5% beschrieben.

Demgegenüber ist das Todesfallrisiko für Adipöse Patienten ohne chirurgische Therapie ungleich höher. Die Todesursachen sind dabei häufig Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen usw. Dies begrenzt die Lebenserwartung erheblich.

In aktuellen Studien war die Lebenserwartung nach 30 Jahren bei Patienten mit adipositaschirurgischem Eingriff um mehr als 6 Jahre verlängert und das allgemeine Todesfallrisiko um fast 50% verringert. Im 5-Jahres follow-up lag die Sterblichkeit in der operierten Gruppe signifikant niedriger als bei nicht operierten Adipositapatienten (1,4 vs. 2,5%).

 

Doumouras AG et al. Association between bariatric surgery and all-cause mortality: A population-based matched cohort study in a universal health care system. Ann Intern Med 2020 Aug 18

Syn N et al. Association of metabolic-bariatric surgery with long-term survival in adults with and without diabetes: a one-stage meta-analysis of matched cohort and prospective controlled studies with 174 772 participants. Lancet 2021 May 15

Kann ich nach einer Adipositas-Operation schwanger werden?

Grundsätzlich ist es nach einer Operation zur Gewichtsreduktion ohne weiteres möglich schwanger zu werden, und auch nach regulärer Schwangerschaft normal zu entbinden. Der Darm wird durch die wachsende Gebärmutter fast komplett in den Oberbauch verdrängt. Magentasche und Nahtverbindungen sind durch die Schwangerschaft nicht gefährdet. Das Risiko für Mutter und Kind ist bei unbehandelter Adipositas und metabolischem Syndrom aufgrund verschiedener Faktoren hoch. Viele Paare bleiben ungewollt kinderlos, weil die Funktion der Eierstöcke gestört ist. Diese Störungen normalisieren sich durch Gewichtsreduktion häufig . Sie sollten also vor einer geplanten Schwangerschaft über einen bariatrischen Eingriff nachdenken. Aufgrund des Risikos einer Schwangerschaftskomplikation durch Nährstoffmangel sollte man nach einer adipositachirurgischen Operation mindestens 12 Monate eine Empfängnis wirksam verhüten. Dazu wird empfohlen, die klassische „Pille“ durch ein anderes zuverlässig wirksames Depotpräparat zu ersetzen.

Nach einer Magenbypass Operation ist die lebenslange kontrollierte Einnahme bestimmter Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe wie z. B. Eisen in Ergänzung zu den normalen Mahlzeiten notwendig. Während der Schwangerschaft und Stillzeit ist der Bedarf der Mutter und des Kindes höher, so dass die Dosis ggf. angepasst und noch engmaschiger auf etwaige Mangelerscheinungen (z. B. Blutarmut, Calcium-Mangel) hin untersucht werden muss.

Nach einer Magenbypass-Operation findet sich anstelle des bei adipösen Müttern häufig beobachteten  Schwangershaftsdiabetes eher eine Neigung zur Unterzuckerung (Hypoglykämie). Daher sollte im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge auf Provokationsuntersuchungen wie dem OGTT (oraler Glukosetoleranztest) verzichtet werden.