Häufig gestellt Fragen

Können während der Corona-Krise Adipositas Operationen und Kurse stattfinden?

Wie alle anderen planbare Operationen mussten die Kliniken in ganz Deutschland seit März 2020 auch Adipositaseingriffe absetzen oder bis auf Weiteres verschieben. Die angeordneten Kontaktbeschränkungen haben jedoch zu einer deutlichen Verlangsamung der Ausbreitung von SARS CoV2 geführt und die Zahl an Neuinfektionen ist zurückgegangen. Es ist nach derzeitigem Stand (17.04.2020) vorgesehen, ab dem kommenden Monat wieder schrittweise den Betrieb in den OP-Sälen hochzufahren, verschobene Eingriffe durchzuführen und neue zu planen. Die multimodalen Kurse werden spätestens ab Juni 2020 in Kassel und Göttingen wieder angeboten. Teilweise werden neue, größere Räumlichkeiten genutzt, um ausreichenden Abstand zwischen den Kursteilnehmern sowie Hygienestandards sicherzustellen. Als Adipositaspatient gehören Sie zu einer wichtigen Risikogruppe, und Ihr Schutz hat für uns oberste Priorität. Sollte die Zahl der Neuinfektionen wieder ansteigen, muss evtl. neu über ein erneutes Ausetzen der Operationen und der Kursprogramme entschieden werden. Ihre Schwerpunktpraxis steht diesbezüglich in Verbindung mit den örtlichen Gesundheitsämtern.

Übernehmen die Krankenkassen alle Kosten?

In der Bundesrepublik Deutschland ist die metabolische Chirurgie, obwohl sie eine Behandlung mit zweifelsfrei nachgewiesener hoher Wirksamkeit ist, nicht im Regelleistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten. Jede Operation kann jedoch bei den Krankenkassen einzeln beantragt werden. Voraussetzung für eine Übernahme der Behandlungskosten ist ein BMI > 40 bzw. > 35 + Nebenerkrankungen (wie Bluthochdruck, Diabetes, etc.) sowie Nachweise über die Ausschöpfung konservativer Therapiemaßnahmen (über mind. 6 Monate), einschließlich 2 Wochen oder länger protokollierter Diätversuch, regelmäßiges Bewegungstraining unter fachlicher Anleitung. Hormonelle Ursachen (z. B. unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion, Morbus Cushing) und akute psychische Krankheiten müssen ausgeschlossen werden. Beste Aussichten auf erfolgreiche Antragstellung hat die Anmeldung durch ein Zentrum mit Zugang zu einem Programm der multimodalen Adipositastherapie. Das Team des Adipositas Zentrums unterstützt Sie bei der Antragstellung. Die Kosten für die vorbereitenden Kurse und Beratungen sind vom Patienten selbst zu tragen, werden jedoch i. d. R. von den Krankenkassen bezuschusst. Über die Höhe der Aufwendungen werden Sie im Rahmen des Erstgesprächs informiert.

Welche Risiken gibt es?

In erfahrenen Händen ist ein bariatrischer Eingriff mit einem sehr geringen Risiko verbunden. Es entspricht in neueren Studien etwa dem Risiko einer Gallenblasenoperation. Natürlich gibt es dennoch Risiken. Im Vordergrund stehen Nachblutungen und Undichtigkeiten der Klammernahtverbindungen. Auch Todesfälle sind in unter 0,5% beschrieben. Demgegenüber ist das Todesfallrisiko für Adipöse Patienten ohne chirurgische Therapie ungleich höher. Die Todesursachen sind dabei häufig Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen usw. Dies begrenzt die Lebenserwartung erheblich.

Kann ich nach einer Adipositas-Operation schwanger werden?

Grundsätzlich ist es nach einer Operation zur Gewichtsreduktion ohne weiteres möglich schwanger zu werden, und auch nach regulärer Schwangerschaft normal zu entbinden. Der Darm wird durch die wachsende Gebärmutter fast komplett in den Oberbauch verdrängt. Magentasche und Nahtverbindungen sind durch die Schwangerschaft nicht gefährdet. Es kommt etwas häufiger zu inneren Einklemmungen des Dünndarms und zu Passagestörungen. Daher wird jungen Frauen mit Kinderwunsch meist ein Schlauchmagen als Primäreingriff empfohlen. Das Risiko für Mutter und Kind ist bei unbehandelter Adipositas und metabolischem Syndrom aufgrund verschiedener Faktoren hoch. Viele Paare bleiben ungewollt kinderlos, weil die Funktion der Eierstöcke gestört ist. Diese Störungen normalisieren sich durch Gewichtsreduktion häufig . Sie sollten also vor einer geplanten Schwangerschaft über einen bariatrischen Eingriff nachdenken. Aufgrund des Risikos einer Schwangerschaftskomplikation durch Nährstoffmangel sollte man z. B. nach einer Magenbypass-Operation mindestens 12 Monate eine Empfängnis wirksam verhüten. Dazu wird empfohlen, die klassische „Pille“ durch ein anderes zuverlässig wirksames Depotpräparat zu ersetzen. Nach einer Magenbypass Operation ist die lebenslange kontrollierte Einnahme bestimmter Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe wie z. B. Eisen in Ergänzung zu den normalen Mahlzeiten notwendig. Während der Schwangerschaft und Stillzeit ist der Bedarf der Mutter und des Kindes höher, so dass die Dosis ggf. angepasst und noch engmaschiger auf etwaige Mangelerscheinungen (z. B. Blutarmut, Calcium-Mangel) hin untersucht werden muss.